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Geschichten - Della Wella, das kleine Mädchen vom Malterhof Teil 3

Peter Benedikt-Haus

Diesmal kommt Joscha Kaprino, der 19-jährige Junge, den wir vom Malterhof kennen, durch Zufall in ein Jugendheim, nicht weit vom Hof von Dr. Malter entfernt. Er hatte auf dem Weg zum Malterhof etwas schlimmes erlebt.

Mutter Dora, wie die Heimleiterin von 20 Buben im Alter von 3-8 Jahren, liebevoll genannt wird, führt das Peter-Benedikt-Haus in hervorragender Weise.

Vor etwa 120 Jahren hatte ein reicher Mann mit Namen Peter Benedikt das Heim für elternlose Kinder aufgebaut. Er und seine Frau hatten sich immer Kinder gewünscht, jedoch blieb es ihnen versagt. Als das große Haus fertig war und die Kinder einzogen, sagte damals seine Frau: "Siehst du Peter. Jetzt hat uns der liebe Gott doch noch Kinder geschenkt."

Als Peter Benedikt starb, wurde das Heim ihm zu Ehren nach seinem Namen benannt. Trotz Reichtum waren Beide immer bescheiden geblieben. Noch heute wird das Heim von seinen Nachfolgern großzügig unterstützt. Da war die traurige Geschichte von dem kleinen 6-jährigen Alban, der auf einen Schlag alles verlor...dieser Anblick hatte mich total geschockt, das ich einen Moment wie gelähmt da stand.
Euer Joscha Kaprino

...mein Gott, was ein Anblick. Da lag ein kleiner Hund im lichten Gebüsch, mit einem Strick um den Hals gebunden, der so fest war das er kaum Luft bekam. Es war ihm unmöglich sich zu befreien. Und dann diese Hitze, sein Winseln war kaum hörbar. Wie lange lag er nun schon da? Ich musste schnell handeln. Er hatte am Hals blutige scheuer Stellen. Sofort schnitt ich den Strick mit meinem Taschenmesser ab und trug den schwachen Hund in mein Auto. Ich konnte ihn kaum halten, in seinem jämmerlichen Zustand.

Noch nie in meinem Leben hatte ich so eine Wut, so eine Tierquälerei, das ich laut weinte. Mit hohem Tempo fuhr ich die wenig befahrene Straße in Richtung Malterhof. Ich wusste dass ganz in der Nähe ein Jugendheim war. Da stand auch schon ein Kilometerschild weiter das Schild Peter- Benedikt-Haus. Mit quietschenden Reifen fuhr ich die ca. 300 Meter in den Wald, wo das große Haus stand.

Die ganze Zeit hupte ich was die Hupe des Autos hergab. Von allen Seiten kamen die Buben, vielleicht 15 bis 20 Jungs, so etwa 3 bis 7 oder 8 Jahren herbei gerannt. Wasser, Wasser rief ich verzweifelt, der Hund verdurstet. Ein kleiner Junge rannte wie der Blitz davon und war in wenigen Sekunden mit einer großen Schüssel Wasser da. Auch andere Kinder brachten noch Wasser. Wir legten den völlig erschöpften jungen Hund unter einen großen Baum in den Schatten. Vorsichtig führte der Junge, der zuerst mit der Wasserschüssel da war, das hängende Köpfchen des Tierchens zum Wasser und befeuchtete ständig die lange heraus hängende Zunge mit Wasser. Ganz allmählich schlapperte er jetzt schon selber Wasser, er hatte einen riesen Durst.

Die Buben standen alle um uns herum und konnten gar nicht fassen, das es Menschen gibt die zu solchen grauenhaften Mittel greifen. Der Junge legte dem nach ihm schauenden Hund sein Hemd unter seinen Kopf. Er rannte wieder in Richtung Küche um Fleisch für den Hund zu holen. Da kam die Heimleiterin die vorhin alles mitangesehen hatte mit einer Schüssel Fleisch und gab sie dem Jungen. Mit großen Schritten war er in wenigen Augenblicken wieder bei dem Hund. Hastig schlang das fast verhungerte Tierchen fast alles hinunter, dann schlief es ein.

Jetzt bemerkte ich, das hinter uns eine Dame, etwa um die 40 Jahre stand, mit einem milden Lächeln im Gesicht und ein paar getrocknete Tränen. Sie sagte, man merkte ihr an das es ihr schwer fiel, die richtigen Worte zu finden: "Danke." Inzwischen hatte die Hausglocke zum Nachmittagskaffe gerufen. Die Jungs rannten in den großen Speisesaal wo es immer Nachmittags Kuchen gab. Frau Hummel die das ganze mit angesehen hatte, war tief gerührt. Beim Kaffe gab es nur ein Thema, nämlich die Geschichte mit dem armen Hund.

Draußen im Garten schlief nun der kleine Hund. Da blickte der kleine Junge die Dame an und fragte mit leiser stimme: "Mutter Dora, darf ich noch ein bisschen bei dem Hund bleiben?" "Ja tu das. Weist du was Alban, wir tragen den armen Hund in das kleine Zimmer neben der kleinen Abstellkammer und legen ihn aufs Sofa. Aber hast du denn keinen Hunger?" Er schüttelte etwas seinen Kopf. "Wenn du später Hunger hast, gehst du einfach zu Frau Hummel, die gute Seele im Haus. Jetzt gehen wir mal in die Küche, da trinken wir mal Kaffe und essen Kuchen.

Frau Hummel backt und kocht das einem das Wasser im Mund zusammen läuft. "Mutter Dora drehte sich um und schaute Alban liebevoll an und sagte zu ihm: "Du bist ein guter Junge." Ich nickte zu ihm hin, er errötete leicht und sagte: "Ich danke euch.""Ich heiße Joscha", sagte ich etwas verlegen, dann gingen wir zum Kaffe trinken. Alban blieb bei dem Hund. Mutter Dora erzählte mir von dem Heim. So hatte ich bald einen Einblick. "lm Moment haben wir 20 Buben im Alter von 3 bis 8 Jahren. Viele Kinder vor ihnen, wurden adoptiert. Etliche von ihnen haben studiert, 3 sind Ärzte, 2 wurden katholische- und 2 wurden evangelische Pfarrer. Egal welche Berufe sie ergreifen, Hauptsache sie werden glücklich. Unser Heim Gründer Peter Benedikt rief damals eine Stiftung ins Leben, die, die Zukunft der Buben sichert. Seine Frau hatte damals alles mit der Hand genäht. Zu dieser Zeit kamen erst die Nähmaschinen langsam auf. Sie hat bis zu ihrem Tod für diese große Familie gelebt. Das Bild von Herrn und Frau Benedikt haben bei uns einen Ehrenplatz bekommen. Ich werde es ihnen nachher zeigen."

Auf einmal war sie sehr traurig. Bald erfuhr ich den Grund, der auch mich innerlich tief bewegte. "Alban ist mir besonders ans Herz gewachsen. Er hatte grausames erlebt. Alban ist vor einem Jahr hier völlig zerstört ins Heim gekommen. Er hatte ein wunderschönes Zuhause, seine Eltern waren gute Menschen, da passierte dieser schreckliche Unfall. Ein Sattelschlepper verlor die Gewalt über den großen Wagen und prallte frontal auf das Auto seiner Eltern. Sie waren auf der Stelle tot. Sie waren auf dem Weg zum Einkaufen. Auch sein Hund war tot. Alban war zu dieser Zeit bei seiner Oma. Er liebte seine Oma sehr. Sonst hatte er keine Verwandte. Seine Großeltern mütterlicherseits, waren schon länger tot und sein anderer Großvater hatte er vor zwei Jahren verloren. Seine Eltern wollten ihn nach dem Einkaufen wieder abholen. Er hatte sich so sehr gefreut mit den Eltern der Oma und seinem Hund Waldi durch die Stadt zu bummeln. Da klingelte es stürmisch an der Tür von der Großmutter. Da rief Alban da sind sie schon.

Aber nach wenigen Sekunden hatten sie durch 2 Polizisten die grauenvolle Schilderung des Unfall erfahren. lm Auto der Eltern war die Adresse der Großmutter in Vaters Brieftasche. Da stand noch dabei im Notfall folgende Adresse. Als wenn er es geahnt hätte. Alban und seine Oma kamen sofort in ein Krankenhaus. Der Schock war zu tief im Inneren.

In Sekunden hatten sie ihre Lieben verloren. Nach 2 Tagen kamen sie aus dem Krankenhaus. Natürlich blieb der Junge bei seiner Oma. Da kam für Alban ein neuer schwerer Schlag, seine liebe Großmutter starb an einem Herzanfall. Sie konnte den Tod Ihrer Lieben nicht verkraften. Da stand dieser tapfere Junge von 5 Jahren ganz alleine da. Die Welt war für ihn nun zusammen gebrochen. Als das Jugendamt ihn zu uns brachte und ich seine grauenhaftes Erlebnis las, war ich so verzweifelt, das ich an Gott zweifelte.

Alle kümmerten sich rührend um Alban, er jedoch merkte gar nicht was um ihn herum geschah. Ich rief unseren Pfarrer an, denn ich war so mit Gott ins Hadern gekommen das ich keinen Ausweg mehr fand. Er kam bald und hatte für meine Lage großes Verständnis. Ja Herr Pfarrer ich regle das mit dem lieben Gott wieder, aber um Alban mache ich mir enorme Sorgen.

Pfarrer Ramon und ich gingen aus dem Büro in den Aufenthaltsraum um nach dem Jungen zu sehen. Da standen uns die Tränen in den Augen. Jeder ging ganz behutsam mit Alban um. Als am Abend Dr. Heilmann kam, ja Dr. Heilmann ist einer der Ärzte, der selber hier als Kind aufgewachsen war, unterhielten sie sich lange, er und Alban. Dr. Heilmann kannte genau die Probleme der Jungs, schließlich hatte er es als Kind selber erlebt. Es hatte Monate gedauert bis Alban einigermaßen zugänglich wurde. Alban hatte sich nie über etwas beklagt, er war sehr beliebt bei seinen Kameraden. Wenn mal irgend ein kleiner Streit zwischen den Buben ausbrach, meinte er, das wir doch eine große Familie sind und alles in Ruhe regeln wollen."

So kannte ich die traurige Geschichte von diesem schicksalsbetroffenen guten Jungen. Mutter Dora sagte: "Er liebt Tiere über alles. "Sie merkte mir an das ich im Inneren tief bewegt war. Ich überlegte was man für Alban tun kann. Da erzählte ich ihr meine Erlebnisse vom Malterhof und seinen Bewohnern. Mutter Dora war ganz begeistert. "Ich glaube es wird langsam Zeit das Familie Malter und wir uns mal kennen lernen. Wir sind ja schließlich Nachbarn. Ach da war noch etwas mit Alban. Vor etwa 2 Monaten, wurde Alban plötzlich schwer krank. Er bekam plötzlich hohes Fieber. Ausgerechnet da war Dr. Heilmann für eine Woche auf Fortbildungskurs, denn Dr. Heilmann ist wie ein Vater zu den Kindern, wir riefen seine Vertretung an. Der Arzt gab ihm die nötigen Medikamente. Alban hatte sich eine schwere Grippe zugezogen.

Das Fieber stieg immer höher. Er muss sofort ins Krankenhaus sagte der Arzt. Er begann zu phantasieren. Er rief ein paar mal laut, Mama, Papa , Oma, warum habt ihr mich verlassen, ich hab euch doch so lieb? Wo bist du Waldi? Das rief er einmal laut, dann verließen ihn die Kräfte. Mit Blaulicht wurde er ins Krankenhaus gebracht." "Was muss dieser Junge gelitten haben?" sagte ich zu Mutter Dora. "O ja", sagte sie mit Tränen in den Augen. "Wir hatten alle zu Gott gebetet, das er ihn wieder gesund macht. Allmählich kam er wieder zu Kräften. Er sagte zu mir, Mutter Dora bitte nimm mich mit zu meinen Kameraden.

Wir brachten ihn mit unserem Kleinbus wieder ins Peter Benedikt Haus zurück. Seine Freunde empfingen in sehr herzlich. Wir wussten wie es in seinem Herzen aussah."

Mutter Dora beendete ihren Bericht mit den Worten: "Wir werden ihn wieder glücklich machen und ich bin überzeugt, das es uns gelingen wird. "Mutter Dora und ich gingen langsam zum kleinen Zimmer wo der kleine Hund schlief. Wir machten leise die Tür auf. Da saß Alban ganz eng bei dem Hund, streichelte ihn immer wieder und sprach mit ihm wie mit einem Menschen. Seine Worte klangen so sanft, so liebevoll. Das kleine Tier schaute die ganze Zeit seinen neuen Freund an, als wenn er alles verstehen würde. Beide waren so glücklich miteinander, das sie uns gar nicht bemerkten. Er hielt dem Hund den Kopf und kraulte ihn am Kinn. Jetzt bleiben wir für immer zusammen, sagte Alban mit leiser Stimme und drückte das kleine Hündchen an sich, dass sich dann so liebevoll an Alban anschmiegte...

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